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Das Autorenpaar Jana und Otakar Borik hat eine gemeinsame Neigung. Sie,
ursprünglich eine Lehrerin, und er, vor dem Ruhestand der Chefarzt der ORL Abteilung
des Karlsbader Krankenhauses, sie beide interessieren sich zusammen für die
Geschichte der Medizin und Pharmazie.
Jeder der beiden Autoren hat schon einige Fach- oder historische Publikationen
herausgegeben. Beide teilen sich aber auch die enge Beziehung zu Karlsbad. Dies
alles hat dieses Buch ergeben und so ist ein unwahrscheinlich sorgfältiges und
mit Liebe verarbeitetes Werk entstanden, welches die Kuranlagen und Kureinrichtungen
in Karlsbad von der Vergangenheit bis zur Gegenwart beschreibt. Die im Buch
umfassenden Informationen kamen nicht nur aus erreichbaren Archivmaterialien,
sondern auch aus Erzählungen von Augenzeugen eines großen Teils des letzten
Jahrhunderts, von Ärzten und Angestellten der verschiedenen Krankenhäuser als
Freunde der beiden Autoren.
Wir haben gesucht und nachgeforscht, wann die Kreuzherren mit dem roten
Stern bei hiesigen warmen Quellen zum erstenmal erschienen sind. Es ist schwierig
zu beweisen, daß sie als die Ersten die Heilkraft der Quellen entdeckt hatten.
Vielleicht hatten schon die Heiden länger vor ihnen ihre Gottheiten Dryad und
Naiad hier verehrt und bei hiesigen Quellen Hilfe gesucht. Den romantischen
Legenden nach war es Karl IV., der die Quelle bei der Hirschjagd entdeckt hat.
Obwohl diese Legende, die jeder Besucher Karlsbads bei der Stadbesichtigung
lernt, schön und beliebt ist, bezeugen mehrere historische Auskunftsquellen
etwas anderes.
Wir sind überzeugt, daß die Kreuzherren mit ihren Kenntnissen der Heilwirkungen
von Mineralwässern und bei ihren Bemühungen, ein Spitalnetz für die Armen aufzubauen,
die hiesigen heißen Quellen, die sich gerade zum Heilen aller Kranken angeboten
hatten, nicht ohne Nutzen lassen konnten. Es bleibt nur die Frage offen, mit
welchen Einrichtungen sie angefangen hatten zu bauen. Waren es nur ein gemeinsames
Bad oder ein Spital oder Hospizen? Oder vielleicht auch Stätten für verseuchte
Arme? Oder war es nur die Missiontätigkeit, die sie hier abgewickelt hatten?
Diese Fragen warten immer noch auf die ganz eindeutige Antwort als Ergebnis
der historischen oder archäologischen Forschungen.
Das Zitat aus der ersten Buchseiten bezeichnet wohl den Buchinhalt. Es geht
um die Beschreibung nicht nur der medizinischen Geschichte, weil man in Karlsbad
die Medizin nicht von der Kurpflege trennen kann. Was für eine Macht den Heilquellen
zugesprochen wurde, das zeigt das folgende Fragment:
Die heißen im Karlsbader Gebiet sprudelnden Quellen bieten sich gerade dazu
an, um die Schmerzen auch der Ärmsten zu mildern. Dem Wasser wurde die magische
Macht schon seit Urzeiten zugemutet. Dafür zeugt auch ein Lehrspruch: „Was das
Wort nicht ausgeheilt hat, heilt das Feuer. Was das Feuer nicht ausheilt, heilt
das Eisen. Was das Eisen nicht verheilt, verheilen die Wässer. Und was die Wässer
nicht ausheilen, das muß man für etwas Unheilbares halten.“
Der Leser wird möglicherweise umsonst ein einheitliches Geschehnis im Buch
suchen. Das Buch ist vor allem eine perfekte Urkunde der ganzen Geschichte über
alles, was mit den Spitälern, Hospizen und Kuranlagen vom Mittelalter fast bis
zu der Gegenwart zusammenhängt. Dieses Buch darf in keiner Bibliothek in Karlsbad
fehlen und auch in keiner Fachschule, deren Studenten gerade für Kur- oder ähnlichen
Betriebe zu arbeiten planen. Das Buch ist aber in einer so lebhaften Form geschrieben,
es ist so interessant fachmänisch und auch menschlich verfaßt, daß es bestimmt
auch alle wissbegierigen Leser so empfinden werden.
Das Buch wird in 3 Hauptteile untergeteilt:
I. Spitäler vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert
II. Kuranlagen des 19. Jahrhunderts
III. Krankenhäuser des 20. Jahrhunderts
Es wird aber nicht nur auf die Fachfragen – der medizinischen oder balneologischen
-, eingegangen, es vergisst auch nicht, bekannte historische Persönlichkeiten
zu erwähnen: adlige oder kirchliche Patrone und Donatoren und Spender (heute
würden wir sie Sponsoren nennen), auch bedeutende Kurgäste, Ärzte und andere
Bedienstete. Und je jünger die beschriebene historische Epoche ist, desto mehr
Dokumente gibt es. Besonders die Geschichte des 20. Jahrhunderts wird reichlich
beurkundet mit den Berichten und Photos von den Erlebnissen in den Krankenhäusern
und es verzeichnet auch alle politischen und organisatorischen Veränderungen,
so häufige in diesem Jahrhundert. Es werden auch die zerhauenen Fensterscheiben
in einem Saal erwähnt, die sich die tschechische Minderheit am Anfang des Jahrhunderts
„geleistet“ hatten beim Organisieren eines Konzerts mit tschechischer Musik;
die Situation während der beiden Weltkriege und der Zwischenkriegszeit, es beschreibt
die Nachkriegssituation samt Vertreibung, die auch die deutschen medizinischen
Mitarbeiter betroffen hat, sowie auch die Zeit der späteren politischen Vorgänge.
Von 292 Seiten sind 227 Seiten Texts und Bilder. Den Rest – 65 Seiten – bilden
das sehr ausführliche Inhaltsverzeichnis, die Register, das Vokabular, der Notizenapparat
und das Bilderverzeichnis. Es sind insgesamt 84 Abbildungen – von historischen
Zeichnungen und Abdrucken der alten Dokumente bis hin zu Fotografien, wobei
die letzte vom Jahr 1988 datiert. Die große Menge der Fotos stammen aus dem
Archiv, dem Museum und der Bibliothek von Karlsbad, es gibt aber auch ganz einzigartige
Aufnahmen aus privaten Sammlungen.
Und was sagten zu ihrem Buch die Autoren selbst? Daß sie nicht von berühmten
Medizinern schreiben wollten, welche Karlsbad berühmt gemacht hatten. Von ihnen
hat man genug geschrieben, manchen hat die Stadt sogar Denkmäler gebaut. Deswegen
werden sie nur kurz erwähnt. Es soll vor allem ein Buch von Armut und Opfermut
der einfachen Wohltäter sein, welche sich für die Kranken schrankenlos geopfert
haben, ob in den Vorzeiten oder in der jüngeren Vergangenheit.
Das Buch entstand mit der Unterstützung der Stadt Karlovy Vary und manchen der
hiesigen Anstalten.
11. 2. 2006
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